Ist der Hype um Myanmar gerechtfertigt? Ein kurzes Update für die Reise nach Burma 2016.

Nach den Bemühungen um mehr Demokratie und Tourismus wird Myanmar seit 2011 als neues und besonders lohnenswertes Top-Reiseziel gehandelt. Die Zahl der Touristen explodiert geradezu. Vor meiner Reise nach Burma habe ich natürlich auch etwas recherchiert und die Beschreibung später mit meinen Erlebnissen abgeglichen. Manche Sachen stimmen einfach nicht oder nicht mehr. Und ich muss mich auch ein wenig auslassen, da viele Beschreibungen deutlich zu positiv gefärbt waren. Hier also ein Update über die Situation aus Backpacker-Sicht in Myanmar im Jahr 2016.

IMG_2928
Pagoden in Bagan

Visum

Das für die Einreise zwingend notwendige Visum kann bei der Botschaft in Deutschland beziehungsweise im eigenen Heimatland beantragt werden. Die Bearbeitung nimmt oft einige Wochen in Anspruch. Schneller und günstiger geht es über die burmesischen Botschaften (beispielsweise in Bangkok) oder über spezielle Agenturen (wie in Kuala Lumpur) in anderen südostasiatischen Ländern.

Ich bin mit dem elektronischen Visum für 50 US-Dollar eingereist. Es wurde mir innerhalb eines Tages ausgestellt und hat problemlos funktioniert. Beim Antragsformular wird nach der Unterkunft gefragt, man muss also eigentlich seine erste Unterkunft schon gebucht haben. Der Flug hingegen wird nicht abgefragt. Das Visum ist für 28 Tage innerhalb eines Zeitraums von 90 Tagen ab Antragstellung gültig. Bei der Immigration wurden wir nicht nach einem Rück- oder Weiterreiseticket gefragt. Diese Prüfung wurde allerdings bei Einreise durch die Airline selbst vorgenommen.

Flüge und Transport

Die meisten reisen über Bangkok in Yangon ein (hier kann man sich über Abflugzeiten und Preise informieren), oft mittels Billigairlines wie Air Asia. Wir sind mit Malaysian Airlines von Kuala Lumpur nach Yangon geflogen. Dieser Flug war an diesem speziellen Datum billiger und von den Abflugzeiten her günstiger als ein Flug auf derselben Strecke mit Air Asia. Man sollte ruhig mehrere Optionen vergleichen. Um nicht nach Yangon zurück zu müssen und damit einen Reisetag zu verlieren, haben wir für die Ausreise den Mandalay-Bangkok-Flug von Thai Air Asia in Anspruch genommen. Obwohl diese Route vergleichsweise teuer ist, ist sie immer noch günstiger als einen Inlandsflug von Mandalay zurück nach Yangon mitzubuchen.

Inlandsflüge zwischen den für Touristen interessanten Orten sind im Allgemeinen recht teuer, ab 100 Dollar aufwärts für eine einfache Strecke ohne Rückflug. Allerdings machen sie das Reisen leichter und ersparen dem Reisenden viel Zeit und Nerven, da die Straßen oft nicht gut ausgebaut sind. Bus und Eisenbahn können vom Niveau nicht mit den Nachbarländern mithalten. Der Zug ist sogar noch langsamer als der Bus und wackliger als irgendwo sonst auf der Welt. Die 1. Klasse ist jedoch mit geräumigen Sitzen ausgestattet. Ich habe den Zug vom Komfort her angenehmer als den sogenannten VIP-Bus empfunden.

IMG_2923
Bahnhof in Hsipaw

Unterkunft

Anders als ich vorher gelesen habe sind die Unterkünfte nicht überall schlechter als in anderen südostasiatischen Ländern. Meistens waren sie akzeptabel, vergleichbar mit Malaysia, allerdings meistens nicht so günstig oder komfortabel wie in Thailand oder Indonesien. Myanmar ist kein wirklich teures Land, jedoch ist das Preis-Leistungsverhältnis auch nicht überragend.

Wegen der stark zunehmenden Beliebtheit als Reiseziel ist eine Reservierung anders als in Nachbarländern oft keine schlechte Idee. Spontan ein Zimmer in Bagan oder Hsipaw zu finden, war für uns kein Problem, selbst an Feiertagen. Offensichtlich gibt es jedoch nicht genügend günstige Unterkünfte in Nyaung Shwe am Inle-See und in Pyin Oo Lwin. Wir hatten jedenfalls Schwierigkeiten, dort spontan etwas zu finden und haben am Ende sehr viel mehr als geplant ausgeben müssen.

Internet

Wir hatten in jedem Hotel oder Guesthouse WLAN, allerdings mit sehr unterschiedlicher Qualität. In Yangon, Mandalay oder Pyin Oo Lwin war die Verbindung sehr gut. Am Inle oder in Hsipaw hat das Laden sehr lange gedauert.

Geld

In wirklich jedem Blog oder Reiseführer wird die Notwendigkeit erwähnt, unbeschädigte druckfrische Dollarnoten mitzubringen. Das war vielleicht in der Vergangenheit so. Ich habe keinen einzigen Dollar ausgegeben, sondern alles in der Landeswährung Kyat bezahlt (ausgesprochen: tschja). An jedem touristisch interessanten Ort gibt es Geldautomaten. Viele Hotels oder Ticketschalter haben zwar die Preise in US-Dollar angegeben, aber problemlos Kyat akzeptiert. Das Zahlen in Kyat ist auch immer gleichwertig oder sogar günstiger als die Zahlung in Dollar gewesen, da meistens ein fairer oder sogar vorteilhafter Wechselkurs verwendet wurde. Wenn ich vorher meine Euro in Dollar getauscht hätte, wäre ich schlechter weggekommen. Am besten nimmt man seine Kreditkarte zum Abheben mit, oder auch zwei – nur für alle Fälle.

Myanmar versteht es, die ausländischen Touristen auszunehmen. Manchmal muss ein Eintrittsgeld für ganze Regionen oder Städte entrichtet werden, wie beispielsweise 20 Dollar für Bagan oder 10 Dollar für den Inle-See. Das betrifft natürlich nur Ausländer. Dasselbe diskriminierende Gebührenschema gilt für Pagoden in Yangon, Mandalay und vielen anderen Attraktionen – Ausländer bezahlen, Einheimische gar nicht oder nur einen Bruchteil. Für Flugtickets gilt ähnliches. Ausländer müssen einen dicken Aufschlag berappen.

IMG_2536
Spenden im Tempel

Essen

In Reiseführern wird von burmesischen Currys und den Spezialitäten der Shan-Region geschwärmt. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Man verhungert zwar nicht und das Essen ist geschmacklich und preislich noch akzeptabel, aber auch nichts besonderes. Egal ob burmesische, Shan-, chinesische oder Thai-Nudeln oder Reis – es schmeckt am Ende doch immer gleich. Zumindest war es immer ohne Probleme möglich, vegetarische Nudeln zu bekommen. Obwohl das Land von kulinarischen Riesen umgeben ist, kann die burmesische Küche nicht im geringsten mit der Küche Indiens, Indonesiens oder Thailands mithalten.

Man sollte sich darauf einstellen, dass die Speisekarte zwar immer sehr einladend aussieht und oft eine große Auswahl zu bieten scheint, aber am Ende wird dann bei der Bestellung klar, dass die meisten Gerichte zufällig gar nicht verfügbar sind oder die Früchte gerade keine Saison haben. “Fried potato? Sorry, no available. Papaya juice? Sorry, only oran juice.” Am Ende muss man dann doch wieder mit gebratenem Reis oder Nudeln vorlieb nehmen.

Man sollte auch darauf aufpassen, wo man isst und was das Essen für einen Eindruck macht. Die Qualität der Mahlzeiten ist oft nicht gut. Mir wurden Kartoffel noch roh serviert und so furchtbares indisches Essen wie in Myanmar habe ich noch nie erlebt, und ich hab es hier öfter als nötig dennoch versucht.

Während all meiner Reisen bin ich kaum wirklich vom Essen krank geworden, egal ob vom Straßenessen in Indien oder vom Eis, dass ich auf einer Busfahrt in Bolivien gekauft habe. In Myanmar sah es leider anders aus. Mehr als nur einmal habe ich mich selbst oder andere vom Essen krankwerden sehen, mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Vielleicht habe ich natürlich auch nur großes Pech gehabt.

IMG_2970

Einheimische

Was habe ich zuvor nicht alles über die unglaublichen Menschen in Burma gelesen, authentisch, freundlich und so gar nicht von der westlichen Zivilisation verdorben. Das stimmt nach meiner Erfahrung nur zum Teil. Sowohl Männer als auch Frauen tragen zumeist einen langen Rock namens Longyi. Das ist ziemlich speziell und so nicht in der westlichen Welt zu sehen. Frauen verwenden häufig Thanaka, eine weiße Hautcreme aus Baumrinde, die sie auf ihrem Gesicht auftragen – das ist zum einen eine Art Schmuck, zum anderen soll es gegen die Sonne schützen.

Das Personal in Hotels und Restaurants ist normalerweise freundlich und höflich. Allerdings ist der Service in einfachen Restaurants häufig recht unprofessionell und man wartet ewig auf die Bedienung oder sein Essen. Kinder in den Dörfern winken einem zu und grüßen mit Mingalabar oder Hello – das ist schon recht niedlich.

Ansonsten habe ich mich immer recht fremd unter den Einheimischen gefühlt, die die Ausländer oft seltsam oder komisch zu finden scheinen. Wahrscheinlich haben die jahrzehntelange Isolation und einst fremdenfeindliche Politik ihre Spuren hinterlassen. Man findet allerdings immer auch neugierige und freundliche Menschen. Die meisten unterhalten sich jedoch ununterbrochen in enormer Lautstärke, schreien sich an, oft mit dem Handy am Ohr.

Die nervigste Angewohnheit ist das lautstarke und widerliche Geräusch, dass die Einheimischen machen, wenn sie Schleim aus ihrem Rachen hochwürgen. Das ist wirklich überall verbreitet und ständig zu hören, wahrscheinlich weil viele Burmesen starke Raucher sind, die Luft oft trocken und staubig ist, und weil andauernd Betelnüsse gekaut werden. Auf der Straße spucken die Leute auch ständig den roten Betelsaft aus.

Die wohlhabenderen Burmesen halten sich mit dem Schleimhochziehen zurück, aber legen dafür anderes unhöfliches Verhalten an den Tag – ähnlich wie man es auch bei Bürgern anderer aufstrebender Nationen beobachten kann. Im Restaurant wird lautstark auf sich aufmerksam gemacht, man drängelt sich vor, geht den Ausländern mit geheucheltem Interesse auf die Nerven und verhält sich so, als ob man die Welt mit Geld kaufen kann.

Schlepperei und Touristenbelästigung sind mittlerweile ähnlich ausgeprägt wie anderswo. Es gibt die verschiedensten Betrügereien und psychologischen Spielchen, um an Touristengeld zu kommen. Man sollte sich nicht verpflichtet fühlen zu “spenden”, wenn man ungefragt ein “Geschenk” oder eine Leistung bekommt, nach der man gar nicht gefragt hat – erst recht nicht, wenn die Einheimischen nicht danach gefragt werden. Es gibt zwar auch Betteleien, aber nicht annähernd so schlimm wie an Touristenorten beispielsweise in Indien.

IMG_3079
Mönche und Touristen

Andere Reisende

Man ist nirgendwo der erste, der etwas bereist und wirklich allein ist man auch nicht als Ausländer. Die meisten Hauptreiserouten sind mittlerweile von ausländischen Touristen gut besucht. Die gute Nachricht: Man sieht nicht so viele extrem junge betrunkene Partybackpacker wie in Thailand oder Bali. Ganz im Gegenteil, viele Reisende sind eher kulturell interessierte ältere und oft wohlhabendere Touristen aus Europa, die auch ihren verwöhnten Nachwuchs gerne mal dabei haben. Man ertappt sich dabei, wie man anfängt, eine Abneigung gegenüber verwöhnten Familien auf Gruppenreise zu entwickeln.

Unsere Schuhe wurden uns im Hotel auch von anderen Rucksackreisenden gestohlen. Das und das ständige laute eingebildete und selbstverliebte Geplapper in Hostels und Zügen sind Gründe, warum ich auf viele der Mitreisenden nicht besonders gut zu sprechen bin. An vielen Orten gab es jeweils ungewöhnlich viele Touristen aus einem bestimmten Land. Bagan war dänisch dominiert, Hsipaw voll mit Israelis, am Inle viele Niederländer und Pyin Oo Lwin wurde hauptsächlich von inländischen Touristen besucht. Das kann natürlich auch alles Zufall sein.

Reiseziele

Der Ort, der so bezaubernd ist, dass er im Mittelpunkt jeder Reise nach Myanmar stehen sollte, ist Bagan. Die weite Ebene mit tausenden Pagoden ist schlichtweg einzigartig und hat eine besondere Atmosphäre, die man sonst nirgendwo auf der Welt findet. Für das Erkunden per Fahrrad kann man sich gut und gerne mehrere Tage Zeit nehmen. Die Sonnenuntergänge sind magisch. Zudem gibt es eine gute Auswahl an Unterkünften und asiatischen sowie westlichen Restaurants. Auf den Halbtagesausflug zum Mount Popa kann man getrost verzichten. Man hat mehr davon, wenn man ein paar seltener besuchte Pagoden in Bagan besichtigt. Wertung für Bagan 10/10.

Yangon ist ganz sicher keine schöne Stadt. In den Außenbezirken ist die Stadt eintönig, im Zentrum verschmutzt und verstopft. Es gibt wirklich wenige Hauptstädte in Südostasien, die noch unangenehmer sind, eigentlich fällt mir da nur Jakarta ein. Allerdings sollte Yangon keinesfalls ausgelassen werden, da die riesige goldene Shwedagon-Pagode ein Highlight an sich darstellt. Außerdem gibt es auch noch ein paar kleinere Pagoden, deren Besuch sich lohnt. Wertung für die Pagoden 8/10, für den Rest der Stadt 1/10.

Mandalay ist kein historischer magischer Ort, sondern weist ein modernes Schachbrettmuster auf, dem ein echtes urbanes Zentrum fehlt. Über die Stadt selbst ist wenig Gutes zu sagen. Zumindest verläuft man sich nicht so schnell. Am Fuße des Mandalay Hill befinden sich jedoch einige interessante Stupas und Klöster. Die wirklichen Schätze sind die ehemaligen Königsstädte außerhalb von Mandalay, die ein eindrucksvolles Spektrum an Klöstern und Pagoden aufweisen. Wertung für die religiösen Stätten 8/10, für den Rest der Stadt 2/10.

Der Inle-See wird meiner Ansicht nach deutlich überschätzt. Die Landschaft ist beschaulich, aber keinesfalls atemberaubend. Der See mit seinen Stelzendörfern könnte ganz interessant sein. Es ist jedoch ziemlich ärgerlich, dass er letztlich in ein wenig authentisches Souvenir- und Shoppingparadies verwandelt wurde. Zum Erkunden der Umgebung bietet sich eine Fahrradtour an, aber mehr als einen Tag braucht man darauf auch nicht verwenden. Wer schon mal Venedig oder den Titicacasee gesehen hat, wird vom Inle-See recht enttäuscht sein. Wertung 6/10.

Hsipaw ist ebenso ein überschätztes Reiseziel für Backpacker. Die Berglandschaft sieht ähnlich wie in Nord-Thailand aus. Nicht schlecht, aber auch nicht spektakulär. Es lässt sich ein paar Tage hier aushalten. Man kann durch die Dörfer und Reisfelder spazieren. Einige kleine Pagoden gibt es. Der Ort selbst ist nicht besonders schön. Man sollte einfach nicht irgendetwas Spezielles hier erwarten. Das Interessanteste ist die landschaftlich reizvolle Zugfahrt von Pyin Oo Lwin nach Hsipaw über das eindrucksvolle Gokteik-Viadukt. Wertung 5/10.

Pyin Oo Lwin ist eine ehemals britische Bergstadt bei Mandalay. Außer einigen wenigen historischen Gebäuden gibt es hier nichts von Interesse. Der einzige Grund hierher zu kommen, besteht darin, das lärmende Verhalten der burmesischen Oberschicht zu beobachten. Falls man aus irgend einem Grund dennoch in der Stadt landet, kann man sich in den gepflegten Kandawgyi-Gärten mit einer Schmetterlingssammlung und Vogelvolieren für einige Stunden die Zeit vertreiben. Einzig diese Gärten heben die Wertung auf 3/10.

IMG_2430
Chinatown in Yangon

Vorschlag für eine 4-wöchige Myanmar-Reise

Flug nach Yangon. 1 Tag für den Besuch der Shwedagon und anderer Pagoden einplanen. Weiter nach Bagan, 4 bis 7 Tage mit der Erkundung der Ebene und der Pagoden verbringen. Dann noch für 2 bis 3 Tage nach Mandalay, um die Klöster, Pagoden und die nahe gelegenen Königsstädte zu besichtigen. Anschließend direkt nach Bangkok oder über Yangon nach Kuala Lumpur fliegen und lieber die restliche Reisezeit in Thailand oder Malaysia verbringen. Ganz im Ernst! Andernfalls sind Enttäuschungen vorprogrammiert, es sei denn, man hat noch nie überhaupt ein anderes Land in Asien besucht.

IMG_3146
U-Bein-Brücke in Amarapura bei Mandalay

Fazit

Alles hängt von den eigenen Erwartungen und der persönlichen Reiseerfahrung ab. Es sollte keinesfalls irgendwas erwartet werden, was beispielsweise Thailand oder Indonesien in Sachen Natur, Freundlichkeit, Komfort oder Essen nahe kommt. Die Pagoden und Klöster sind die wahren Höhepunkte Myanmars. Ich bin froh, in Bagan gewesen zu sein, es war dort einfach schön. Ansonsten fallen mir nicht viele Gründe ein, ein zweites Mal nach Myanmar zu fahren.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s