Jnana Yoga: Maya and the Evolution of the Conception of God. Maya und die Evolution der Gottesvorstellungen.

The fourth chapter of Swami Vivekananda’s book Jnana Yoga deals with the evolution of the conception of god over time. It relates to the development of modern man and the whole framework of Maya.

Why are the ancient gods so cruel?

The last chapter covered the question of good and evil, pleasure and effort within the ideas of Maya. Now Vivekananda takes a look at the conception of god. Some thousand years ago various cultures worshipped supreme powers personified as gods that appear raw and cruel nowadays.

Look at the Hindu god Indra for example, one of the oldest Vedic gods and the powerful ruler of the skies. These days Indra is no more that important in Hinduism and other gods replaced his significance, gods with finer attributes that symbolise other strengths as wisdom or more philosophical properties.

You could as well take Jahwe in the Jewish Tanakh who eventually became the mighty, but wrathful and vindictive god of the Christian Old Testament. Today people wonder why anyone would worship such a god who punishes sinful cities with destruction or demands of a father to sacrifice his eldest son as in the story of Abraham and Isaac. Many Christians nowadays prefer the conception of god from the New Testament who is described as loving and merciful.

God changes?

The question is: Did god change? How can a  supreme being change like that? – In the book of Genesis it is written that god created man in his own image. Vivekananda postulates the opposite as did German philosopher Ludwig Feuerbach: Man created god in his own image. The more mankind developed and people became more sensitive, more intellectual, and the more physical power lost its relative dominance, the more the respective gods changed.

It would be shortsighted to acknowledge the evolution of man, but deny the evolution of these gods. This correspondence is an example of the workings of the Maya. Everything that can be named, categorized, is within space, time, and causation – every such thing is part of Maya and thus subject to impermanence.

Vedanta’s explanation

The ideas of Advaita Vedanta, the non-dual final wisdom of the Indian Vedas, are still valid as Vivekananda postulates. There is good reason for this because Vedanta puts an end to the form and shape of gods. Vedanta says Brahman, the absolute, is infinite, unchangeable, pure, and perfect. There is nothing beyond.

A fascinating property of Vedanta is its compatibility with all kinds of religion and philosophies. It does not say Hindu or Christian or Muslim gods are wrong or unreal – in Vedanta they all are valid finite manifestations of the absolute. Just like the apparent man is a manifestation of the real man. And this real man Atman according to Vedanta is infinite, perfect, and full of bliss, the highest reality Brahman has the same properties. And as we know already, one of the most important statements in Vedanta is the equality of Atman and Brahman – the non-duality.

Evolution

It is only the manifestation of man and god that changes over time.  As we reveal our real nature more and more over time, the nature of god reveals itself in the same fashion. Evolution can be described in this sense by two forces: pravritti and nivritti. The Sanskrit word pravritti means to circle forward, to go out, to expand our living in the senses – the thing we do normally in our worldly life. Nivritti is about circling inward, into ourselves, to renounce, the beginning of spirituality.

These forces are working together. Over time we developed finer senses and we increasingly conquered and revealed parts of the universe. At the same time we have higher moral standards, we demand to be more ethical. It is these forces that are working and they will never come to an end because everything we perceive and think of is part of this Maya.

Conclusion

As Vivekananda writes, instead of denouncing the ideas of the ancient gods as wrong and unfit for modern times, it is wiser to look for the reality that is found within these conceptions. The results are the philosophies of Vedanta. From the ancient deities and the monotheistic god, the idea of the absolute reality was developed – the oneness throughout the universe. And he who looks beyond the manifestations of the world and finds the one infinite life in a world of insentience and ignorance, he may find eternal peace.

Jnana Yoga

Das vierte Kapitel von Swami Vivekanandas Buch Jnana Yoga handelt von der Evolution des Gottesbildes im Zeitablauf. Es bezieht sich auf die Entwicklung des modernen Menschen innerhalb des Rahmens der Maya.

Warum sind die alten Götter so grausam?

Im letzten Kapitel ging es um die Frage von Gut und Böse, Freude und Anstrengung innerhalb der Ideen der Maya. In diesem Kapitel betrachtet Vivekananda das Gottesbild des Menschen. Vor tausenden von Jahren wurden in vielen Kulturen Götter verehrt, die uns heute grob und grausam erscheinen.

Der Hindu-Gott Indra ist ein Beispiel dafür. Der mächtige Herrscher des Himmels ist einer der ältesten vedischen Götter. Heute hat Indra im Hinduismus keine große Bedeutung mehr. Andere Götter haben seinen Platz eingenommen – Götter mit feineren Attributen, die andere Stärken repräsentieren so wie Weisheit oder andere eher philosopische Eigenschaften.

Ähnliches trifft auch auf den ursprünglichen Jahwe aus dem jüdischen Tanach zu, der schließlich im Christentum zum zornigen und rachsüchtigen Gott des Alten Testaments wurde. Heutzutage fragt man sich durchaus, warum so ein Gott verehrt wird, der sündige Städte mit Zerstörung bestraft und von einem Vater die Opferung seines ältesten Sohnes fordert wie es in der Geschichte von Abraham und Isaak der Fall ist. Viele gläubige Christen ziehen heute das Gottesbild des Neuen Testaments vor, dem Eigenschaften wie Liebe und Güte zugeschrieben werden.

Wandelt sich Gott?

Die Frage ist: Hat sich Gott verändert? Wie kann sich so ein höchstes Wesen überhaupt verändern? – Im Buch Genesis steht geschrieben, dass Gott den Menschen nach seinem Bilde formte. Vivekananda postuliert das Gegenteil, so wie Ludwig Feuerbach: Der Mensch erschuf Gott nach seinem Bilde. Je weiter sich die Menschheit entwickelt hat, je sensibler und intellektueller die Menschen wurden, je mehr körperliche Kraft an relativer Bedeutung verloren hat, desto mehr haben sich die entsprechenden Götter gewandelt.

Es wäre zu kurz gedacht, die Evolution des Menschen zu würdigen, aber gleichzeitig das Gottesbild als statisch anzunehmen. Dieser Zusammenhang ist ein Beispiel für das Wirken der Maya. Alles was benannt und kategorisiert werden kann, was sich innerhalb von Zeit, Raum, Ursache und Wirkung befindet, alles das ist Teil der Maya und ständigem Wandel unterworfen.

Die Erklärung aus Sicht von Vedanta

Die Ansätze von Advaita Vedanta, den nichtdualistischen endgültigen Weisheiten der indischen Veden, sind entsprechend Vivekananda damals wie heute gültig. Das hat einen guten Grund, denn Vedanta bereitet den Formen und Gestalten der Götter ein Ende. Vedanta sagt, Brahman, das Unendliche, das Absolute, ist unveränderlich, rein und perfekt. Es kann nichts darüber hinaus existieren.

Eine faszinierende Eigenheit von Vedanta ist die Kompatibilität mit allen möglichen Religionen und Philosophien. Vedanta sagt nicht, dass die Götter von Hinduismus, Islam oder Christentum falsch oder unecht sind. Im Vedanta sind sie alle berechtigte endliche Manifestationen des Absoluten. Genauso wie der scheinbare Mensch eine Manifestation des wahren Menschen ist. Und dieser wahre Mensch des Atman ist laut dem Vedanta unendlich, perfekt und voller Glückseligkeit. Die höchste Wirklichkeit des Brahman hat die gleichen Eigenschaften. Und wie wir bereits wissen, besteht eine der Hauptaussagen des Vedanta in die Gleichsetzung von Atman und Brahman, die die Nondualität begründet.

Evolution

Nur die Manifestation von Mensch und Gott verändert sich im Zeitablauf. So wie immer mehr unserer wahren Natur ans Licht kommt, so enthüllt sich auch die Natur Gottes in gleicher Weise. Evolution in diesem Sinne kann durch zwei Kräfte beschrieben werden: Pravritti und Nivritti. Das Sanskrit-Wort Pravritti bedeutet Sich-Vorwärtsbewegen, nach außen gehen, unser Leben und Erleben in den Sinneswahrnehmungen zu erweitern – das also, was wir normalerweise auch im Alltagsleben tun. Nivritti ist die Bewegung nach innen, in uns hinein, Entsagung und Verzicht, der Anfang jeglicher Spiritualität.

Diese Kräfte arbeiten zusammen. Mit der Zeit sind unsere Sinne immer feiner und sensibler geworden. Wir haben uns immer größere Teile des Universums erschlossen. Ebenso haben wir immer höhere moralische Maßstäbe entwickelt und bemühen uns um ethischeres Verhalen. Diese Kräfte werden auch in Zukunft wirken und auch kein Ende finden, denn alles was wir denken und wahrnehmen können, ist ebenso Teil der Maya.

Fazit

Wie Vivekananda empfiehlt, sollten die Konzepte der alten Götter nicht einfach als ungültig und für die Moderne als unpassend verworfen werden. Schlauer wäre es, mit Hilfe dieser Ideen die Wahrheiten zu erforschen, die sich dahinter verbergen. Im Endergebnis ergibt sich daraus die Philosophie der Vedanta. Aus den alten Gottheiten und dem monotheistischen Gott hat sich die Idee der absoluten Wirklichkeit entwickelt – das Einssein des ganzen Universums. Wer durch die weltlichen Manifestationen hindurchsehen kann und das Leben der Unendlichkeit in einer Welt von Unwissenheit und Ignoranz findet, der wird ewigen Frieden finden können.

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