Meditationslehrer werden.

received_10213800160250836
Wie stellt man sich einen typischen Meditationslehrer vor?

Wer wollte schon immer einmal richtig meditieren lernen oder sogar anderen die Meditation beibringen? In diesem Beitrag schildere ich meine persönlichen Erfahrungen aus dem 300-Stunden-Meditationslehrer-Trainingsprogramm an der Shree Mahesh Heritage School in Rishikesh in Indien.

Zunächst erläutere ich meine persönliche Motivation und beschreibe danach ausführlich die vier Wochen des Programms in Rishikesh, bevor ich einige abschließende Bemerkungen mache.

Warum ich mich für dieses Programm entschieden habe

Meine Weg hin zur Meditation war lang. Die meiste Zeit meines Lebens betrachtete ich Meditation als langweilige esoterische oder religiöse Praxis des Nichtstuns ohne erkennbaren Nutzen. Ich wuchs in keiner spirituellen Umgebung auf und verbrachte einen großen Teil meiner Studien- und Arbeitsjahre mit Wissenschaft und Forschung. Ich will gar nicht ins Detail gehen, nur erlebte ich wie viele andere Menschen auch einen absoluten Tiefpunkt in meinem Leben, an dem ich wusste, dass es so nicht mehr weiter geht. An diesem Punkt begann ich mit der Meditation, nur mit Hilfe von Büchern und geführten Meditationen aus Youtube-Videos. Der Start war holprig, dennoch entdeckte ich schnell, dass das Geheimnis für inneren Frieden nicht in mehr und besserem Planen und Denken lag, sondern darin, den Geist zur Ruhe kommen zu lassen, die Denkmaschine anzuhalten und wieder von Neuem zu erlernen, was es bedeutet, einfach nur zu sein.

Ich begann völlig unstrukturiert ohne die Hilfe eines Lehrers oder eines Gurus. Nichtsdestotrotz machte ich über die Jahre viele subjektive Fortschritte. Ich hatte den Eindruck, dass ich den Kern der Meditation schon jetzt besser verstand als viele andere. Verschiedene Bücher über indische Religionen und Philosophien unterstützen mich dabei, der Thematik auch intellektuell näher zu kommen. Auf einem Yoga-Retreat in Kambodscha bemerkte ich, dass ich ein wenig anders als die anderen Teilnehmer war. Die meisten hatten bereits Erfahrungen mit den ganzen Yogapositionen, aber hatten keine Ahnung, was von ihnen beim Meditieren erwartet wird und was sie dabei fühlen sollen. Im Gegensatz dazu war Meditation für mich bereits ein mächtiges Werkzeug und ich wusste, was ich tun sollte, dafür fielen mir die ganzen Körperhaltungen schwer. Dort und zu anderen Anlässen versuchte ich anderen zu erklären, wie ich meditiere, mit mehr oder weniger großem Erfolg. Mir schien, als ob ich das vielleicht auf professioneller Ebene tun sollte, und ich wollte auch meine eigene Meditationspraxis verbessern.

Also suchte ich nach einem Meditationslehrerkurs. Ich glaubte in der heutigen Zeit, in der es in Mode gekommen ist, Yogalehrer zu werden, muss es doch auch Meditationslehrerkurse geben. Und da meine körperliche Flexibilität und meine Yogaposen nicht besonders gut trainiert waren, um ein richtiger Yogalehrer zu werden, wollte ich lieber ein meditationszentriertes Programm absolvieren. In der Tat fand ich auch einige Kurse in Deutschland und Amerika, allerdings erschienen mir diese entweder eher “klinisch” oder waren prohibitiv teuer. Schließlich entdeckte ich Shree Mahesh in Rishikesh. Das Programm klang interessant und die Preise waren ziemlich vernünftig für einen vierwöchigen Kurs – nicht viel mehr, als man für normales Reisen in Indien auch ausgeben würde, da Unterkunft und Verpflegung bereits in den Kursgebühren enthalten sind. Außerdem schien mir, dass mich ein Aufenthalt in Indien näher zu den Ursprüngen der Meditation bringen würde. Natürlich war es auch ein guter Vorwand, um wieder reisen zu können. Da ich lange nicht mehr in Indien war, war ich neugierig zu sehen, was sich alles verändert hat. Also plante ich meinen Indien-Aufenthalt für die Zeit nach dem Abschluss meines Weiterbildungsstudiums zum Psychologischen Berater. Ich buchte einen Flug nach Delhi und weiter nach Dehra Dun und beantragte mein 60-Tage-E-Visum.

received_10213800148410540
Im Meditationsraum.

Woche 1: Alles ist neu

Die Ankunft in Rishikesh gestaltet sich unkompliziert. Die Schule befindet sich in einem eher unauffälligen Gebäude nahe an den Bergen des Ortsteils Tapovan in Rishikesh. Ich beziehe mein Zimmer, das um einiges besser als das Hotelzimmer ist, welches ich für die vorangegangene Nacht nach meiner Ankunft aus Delhi gebucht hatte. Es gibt einen Balkon und ein eigenes Badezimmer mit Dusche. Im Keller befindet sich der Meditationsraum, der mit Yogamatten und Kissen ausgestattet ist. Küche und Rezeption sind im Erdgeschoss zu finden. Die Unterkünfte der Teilnehmer sind in der ersten Etage und oben befindet sich eine hübsche Dachterrasse mit ein paar Kübelpflanzen.

Ich lerne die anderen Teilnehmer kennen, die aus verschiedenen Teilen der Welt angereist sind. Einige sind bereits Yogalehrer, andere arbeiten als Coach oder als Therapeut. Wir essen zusammen zu Abend und werden auch künftig unsere Mahlzeiten gemeinsam einnehmen. Das Essen ist ausgezeichnet. Es gibt nordindische vegetarische und ayurveda-kompatible Küche. Auf die Mahlzeiten freue ich mich immer sehr. Am Morgen des ersten Tages beginnt das Programm mit einer traditionellen vedischen Feuerzeremonie, die von einem Priester geleitet wird. Ich fühle mich gesegnet.

Es gibt gewisse Regelmäßigkeiten in unserem Stundenplan. Am Morgen stehen wir früh auf und als allererstes widmen wir uns yogischen Reinigungstechniken. Wir trinken Wasser aus einem Kupfergefäß, um den Körper mit Flüssigkeit zu versorgen. Dann führen wir diverse Reinigungen der Nase durch. Anfänglich ist es ungewohnt und ich brauche eine Weile, um mich daran zu gewöhnen, aber letztlich ist die Nasenspülung eine der Praktiken, die ich auch später in meinen Alltag integrieren werde.

Danach versammeln wir uns im Meditationsraum, um Asanas (die Yogapositionen) und Pranayama (Atemtechniken) zu üben. Die Sitzung dauert 90 Minuten und ähnelt einem Fitnessprogramm, um aktiv in den Tag zu starten. Eigentlich gehört dieser Teil des Tages für mich zu den schwierigeren Dingen, denn ich bin kein Morgenmensch und Sport sowie Yogapositionen fallen mir recht schwer. Aber genau aus diesen Gründen profitiere ich vermutlich ganz besonders von dieser Sitzung. Wir lernen viele Atemtechniken für verschiedene Zwecke – zum Wachwerden, zum Ausgleich, zur Entspannung. Dafür, dass ich mich eigentlich nicht für ein Yogalehrer-Programm angemeldet habe, praktizieren wir ganz schön viele Dehnübungen und Yogastellungen. Ich habe damit zu kämpfen, aber später werde ich einige Runden Sonnengrüße auch zu meiner täglichen Routine machen.

Nach dem Frühstück ist die Chanting-Sitzung dran. Mir war zuvor gar nicht bewusst, dass Chanten so eine große Rolle in diesem Programm spielen würde. Ich bin aber ganz offen für das Thema. Wir singen viele Om-s und lernen, Mantras und traditionelle vedische Gebete zu chanten. Einige Teilnehmer fühlen sich beim Singen nicht sehr wohl, andere haben Schwierigkeiten bei der Aussprache der Sanskrit-Wörter.

received_10213784956230745
Meditieren im Liegen.

Jeden Tag gibt es mindestens zwei längere Meditationssitzungen, eine vor dem Mittagessen, die andere am späten Nachmittag. Eine der ersten Techniken, die uns begegnet, ist Trataka – eine Meditation zur Reinigung der Augen, bei der man ohne zu Blinzeln auf Kerzen oder heilige Bilder starrt, die Yantras genannt werden. Nada Yoga ist eine weitere Methode. Hier hören und meditieren wir auf unseren inneren Klang. Eine der Praktiken, die mich sehr anspricht, ist Yognidra, der yogische Schlaf – eine Tiefenentspannungsmeditation. Yognidra hat den Vorteil, dass man die meiste Zeit im Liegen verbringt. Ich bin es nicht gewohnt, für längere Zeiträume auf dem Boden zu sitzen und obwohl ich meine Sitzposition alle paar Minuten wechsle, tun meine Beine und mein Rücken ganz schön weh.

Am Abend findet auch die Philosophie- und Theoriestunde statt. Wir lernen viel Hintergrundwissen aus den Schriften. Das Üben der korrekten Sanskritbegriffe nimmt hier auch einen wichtigen Raum ein. Dieser Teil fällt mir recht leicht. Andere tun sich mit der Theorie schwerer als mit der Praxis.

Die Tage sind lang und intensiv. Wir legen jedoch jeden Tag eine zwei- bis dreistündige Mittagspause ein. In der ersten Woche nutzen wir diese vor allem, um nach Laxman Jhula in den Ort hinunter zu laufen und uns dort im Cafe oder einer Bäckerei einen Chai oder einen Kaffee zu gönnen. Das Verlangen nach Kaffee ist stark, denn in der Schule bekommen wir keinen.

cof
Aarti-Zeremonie am Ufer des Ganges.

So wie immer in neuen Situationen vergehen die ersten Tage recht langsam, während sich die gefühlte Geschwindigkeit des Zeitablaufs jeden Tag beschleunigt. Am Samstagabend steht unser erster Ausflug an. Wir werden zu der anderen Hängebrücke in Rishikesh gefahren. Sie heißt Ram Jhula. Dort besichtigen wir einige Ashrams in der Umgebung. Vom späten Nachmittag bis zum Sonnenuntergang sind wir beim Aarti am Ganges zugegen. Aarti ist ein Ritual mit einer Zeremonie sowie Gesang. Am Ende setzen wir unsere Opfergaben in den Fluss – eine Art Miniboot, das entzündet wird. Der ganze Abend ist einfach wunderschön und überall spüre ich die spirituelle Atmosphäre.

Sonntag ist für uns Schüler ein freier Tag. Ich nutze die Gelegenheit, um hinunter zu den Ecken zu laufen, in denen ich schon 2003 war und um mir anzusehen, wie sie heute aussehen. Außerdem kaufe ich mir noch ein paar Hemden, Hosen und spirituelles Zubehör wie Räucherstäbchen, tibetische Klangschalen und Tücher mit Chakra-Symbolen.

mde
Entzünden der Opfergabe und Übergabe an den Ganges beim Aarti.

Woche 2: Die Gewöhnung an das yogische Leben

Zu Beginn unserer zweiten Woche haben wir einen kleinen Teilnehmerschwund. Einige aus unserer Gruppe haben von Anfang an nur eine Kurzvariante des Kurses gebucht, andere haben ihn später verkürzt, da sie ihre Erwartungen nicht erfüllt sahen. Ich bin fest entschlossen, den Kurs bis zum Ende durchzuziehen. Die größte Herausforderung für mich sind zur Zeit die Temperaturen. Nachts ist es im Januar wirklich richtig kalt in Rishikesh. Trotz der vielen Decken und selbst des kleinen Heizstrahlers ist es insbesondere in den Morgen- und in den Abendstunden ziemlich frostig. Mir ist bewusst, dass es die  Außentemperaturen in Europa zur Zeit noch niedriger sind, aber dort sind die Wohnungen von innen warm und gemütlich beheizt.

Wir verbliebenen Teilnehmer sind nun an den täglichen Stundenplan gewöhnt. Es fühlt sich wie Routine an. Eine kleinere Gruppe hat auch ihre Vorteile. Wir lernen uns besser kennen,  erleben viele lustige Dinge und lachen sehr viel.

received_10213672625062536
Chanten an den Ufern des Ganges.

Ich finde richtig Gefallen an den Chanting-Sitzungen. Wir lernen neue Mantras und Gebete. Unserer Lehrer singt, wir alle singen, jeder von uns singt allein, wir klatschen in die Hände, wir spielen Instrumente, wir singen zu Musik von CDs oder Youtube, wir singen und tanzen. Ich habe mich eigentlich nie für einen guten Sänger gehalten und nicht geglaubt, dass mir das Spaß machen könnte. Das ändert sich gerade. Es ist eine Form von Bhakti Yoga – dem Yoga der Hingabe und Leidenschaft. Einfach nur im Klang zu sein, singen ohne zu denken. Mit vollem Herzen und ohne zu urteilen. Ich liebe es, mich in den Chants zu verlieren. Die Mantas haben auch alle eine Bedeutung, welche wir kennenlernen.

Auch an die Sitzpositionen gewöhne ich mich langsam und mein Atemrhythmus verbessert sich. Der Kurs basiert primär auf Hatha Yoga, bei dem alles mit Reinigungsübungen und Haltungen beginnt, dann Atmung, Verschlussübungen und Gesten, bevor man zur eigentlichen Meditation gelangt. Wir haben mehr eigenständige Übungssitzungen im Stundenplan und weniger Freizeit, so dass ich in der Mittagspause nicht mehr so häufig hinunter in den Ort gehe. In der Philosophiestunde behandeln wir auch Raja Yoga, bei dem die soziale und mentale Disziplin eine wichtigere Voraussetzung zur Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung darstellt als sportliche Übungen. Wir erhalten auch eine Kurzeinführung ins Ayurveda, das eine faszinierende Lehre für sich ist. Um richtige Ayurveda-Medizin praktizieren zu können, muss man jedoch jahrelang dafür studiert haben.

cof
Leiten der Chakra-Meditation.

Natürlich gibt es auch viele neue Meditationstechniken wie Chakra-Meditation, Atemmeditation, Pulsmeditation und aktive Meditationen nach Osho, bei denen es hohe Bewegungsanteile gibt wie Schütteln, Tanzen, Springen oder Schreien. Diese aktiven Meditationen sind nicht für jeden etwas, aber vielleicht für Menschen, die nicht gerne im Stillen sitzen und eher körperlich orientiert sind. Bei mir stellen sich langsam merkliche Effekte aus den ganzen Meditationsübungen ein. Ich bin nicht mehr so leicht ablenkbar und egal, welche Meditation wir praktizieren, sie fühlt sich immer sehr intensiv an.

Unsere Woche endet mit einem Besuch in der Vashishta Meditationshöhle, den Ganges flussaufwärts etwa eine Stunde entfernt. Die Höhle ist viel kleiner als ich erwartet habe. Die Meditation innerhalb der Höhle ist eine Erfahrung für sich, auch wenn ich sagen muss, dass es nicht leicht ist, denn der Platz ist begrenzt und viele Besucher strömen rein und raus, um den Lingam zu berühren. Wir besuchen eine weitere Höhle und singen mit unseren Lehrern einige Mantras an den Ufern des Ganges.

sdr
Eingang zur Vashishta Guha Meditationshöhle.

Woche 3: Die Herausforderung

Die Woche beginnt mit einer besonderen Herausforderung. Zu unserem Programm gehört eine Periode der Stille in der Tradition der buddhistischen Vipassana-Meditation. Natürlich können wir in diesem Rahmen kein komplettes zehntägiges Schweige-Retreat absolvieren, aber wir versuchen es für immerhin 24 Stunden. Die Regeln sind ähnlich. Keine Kommunikation mit anderen in Rishikesh und die Benutzung von Laptop oder Telefon ist ebenso nicht erlaubt. Wir meditieren in 75- bis 90-minütigen Sitzungen, die aufeinander folgen und nur durch eine Essens- oder Teepause unterbrochen werden. Obwohl wir unsere Sitzposition frei wählen können, muss ich feststellen, dass wirklich jede Sitzhaltung nach einer gewissen Dauer unbequem wird. Meine Beine und mein Rücken schmerzen. Das Schlimmste ist, dass ich mich bei niemandem darüber auslassen kann und damit selbst fertig werden muss. Ich bemerke in mir viel Ärger und unangenehme Gefühle, die ich so nicht erwartet habe. Das gehört wohl zur Erfahrung dazu. Nach dem Ende der Vipassana-Phase fühle ich mich erleichtert. Die anderen Teilnehmer sind begeistert und möchten am liebsten bald ein längeres Vipassana-Retreat durchführen, aber ich muss sagen, dass ich erstmal genug habe. Die einzige Belohnung besteht darin, dass das Sitzen endlich vorbei ist, denn während der Meditation hat es sich wie eine Folter angefühlt. Ich könnte genauso gut noch eine Doktorarbeit bei einem sadistischen Betreuer schreiben oder mich für ein militärisches Drill-Lager anmelden.

Einen Tag darauf fühle ich mich deutlich besser. Die Welt leuchtet und meine Wahrnehmung ist besser und viel farbenfroher. Ich bin total ruhig und entspannt. Ich bemerke nun die verzögerten positiven Effekte der Vipassana-Meditation und frage mich, wie lange der Effekt anhält. Und wie lange hält der Effekt an, wenn man zehn Tage im Schweigegelübde verbracht hat? Vielleicht überlege ich es mir ja nochmal anders und lasse es irgendwann später im Leben auf einen Versuch ankommen.

Für die übrige Woche kehren wir zu unserem üblichen Stundenplan zurück. In dieser Woche werden wir unsere erste Prüfungsleistung für unser Zertifikat absolvieren. Wir müssen hierfür eine Präsentation über die Biografie eines Heiligen oder Gelehrten halten. Instinktiv entscheide ich mich für Ramana Maharshi, der für seine Arbeiten im Advaita Vedanta bekannt ist. Zentral ist bei ihm die Selbstergründung basierend auf der Frage “Wer bin ich?”. In unserem Theorie- und Philosophieunterricht behandeln wir ebenso Aspekte von Jnana Yoga, dem Yoga des Wissens, mit intellektuellen Fragestellungen und einer tiefgehenden Analyse der Natur des Selbst. Diese Dinge fallen mir leicht. Ich bin in Advaita Vedanta und Jnana Yoga recht gut belesen.

Und dann haben wir noch eine weitere Sitzung der Art von Yoga, mit der ich so meine Schwierigkeiten habe: Lachyoga. Es gibt viel gekünsteltes Lachen sowie ritualisierte Gesten und Bewegungen. Der Fremdschämfaktor ist hoch und ich fühle mich nicht besonders wohl dabei. Für mich sind Lachen und Humor per Definition spontaner Natur und können nicht erzwungen werden. Ich will jedoch gar nicht so negativ klingen, denn ich lerne viel über die Vorzüge von Lachyoga. Die Technik kann extrem hilfreich und entlastend für Menschen mit Traumata und anderen Gesundheitsproblemen sein. Wenn das eigene Leben von Schmerz, Krankheit und Krankenhausaufenthalten bestimmt ist, kann eine organisierte Lachsitzung mit einem humorvollen Zugang zur eigenen Krankheit einem andere Perspektiven eröffnen und zu den wenigen lustigen und glücklichen Momenten unter diesen Umständen gehören.

Wir erhalten auch eine Einführung in vedische Astrologie. Auch wenn ich bei Themen wie Horoskopen etwas skeptisch bin, genieße ich den Vortrag und halte das Thema für faszinierend.

cof
Kunjapuri-Tempel bei Sonnenuntergang. 

Unsere Wochenend-Exkursion führt uns zum Kunjapuri-Tempel. Diese heilige Stätte gehört zu den sogenannten Shakti Peeth, wo laut der Hindu-Mythologie Teile von Shivas brennender Gemahlin brennend auf die Erde hinab fielen. Normalerweise dauert die Fahrt in die Berge eine Stunde, wir brauchen jedoch wegen Bauarbeiten zwei Stunden. Der Tempel befindet sich auf dem Gipfel eines Berges und von dort haben wir einen Blick in die Ferne auf die schneebedeckten Himalayagipfel. Mit einer kleinen Spende begeben wir uns ins Innere und erhalten auch Opfergaben. Üblicherweise kommen die Menschen hier zum Sonnenaufgang her. Unser Stundenplan erlaubt uns jedoch nur eine Sonnenuntergangs-Meditation, was aber keine schlechte Sache ist. Ich weiß die Stille hier wirklich zu schätzen und wir haben hier alle eine wunderbare Abend-Meditation.

Mein freier Sonntag ist dieses Mal nicht für Shopping oder Sightseeing verplant. Ich möchte mich auf meine Meditationssitzungen vorbereiten, die ich in der letzten Woche als Teil des Zertifizierungsprozesses anleiten werde. Wir benötigen größere Blätter an Papier und Pappe sowie Stifte, um einen Präsentationsbogen zu erstellen, der die Thematik näher verdeutlichen soll. Sonntag ist kein besonders guter Tag, um solche Dinge in Tapovan zu kaufen, denn viele Geschäfte sind geschlossen. Nach einiger Sucherei finden wir jedoch einen Schreibwarenhändler und können alle benötigten Gegenstände kaufen.

cof
Arbeiter in der Nähe des Parkplatzes am Kunjapuri-Tempel.

Woche 4: Die Prüfungen

In der letzten Woche dreht sich alles darum zu zeigen, was wir gelernt haben. Wir werden unsere eigenen Stunden leiten. Jeder von uns leitet vier Sitzungen. Eine Asana- und Pranayama-Stunde, eine Chanting-Stunde und zwei Meditationsstunden. Für die Meditationen können wir uns eine Technik als Abschlussprüfung aussuchen, eine weitere Technik wird uns mehr oder weniger von der Schule vorgegeben. Ich bin etwas aufgeregt, nicht zu sehr, und verbringe einen großen Teil meiner freien Zeit mit der Vorbereitung auf die Sitzungen. Mir gefällt es jedoch sehr gut, dass wir viel Gelegenheit zum Üben haben.

Einigen fallen manche Methoden leichter als anderen. Ich glaube, das Chanting wird sehr einfach für mich. Ich konzentriere mich daher mehr auf die Asana-Sitzung. Mir scheint, die anderen Teilnehmer und Lehrer sind alle viel fitter und flexibler als ich, und wenn ich die Sitzung anleite und die Stellungen vormache, dann bin ich wahrscheinlich mehr außer Atem als alle anderen. Meine Sorgen sind unbegründet. Beide Stunden laufen sehr gut und alle sind zufrieden. Bei den Meditationssitzungen ist es genauso. Ich leite die Chakra- und die Yognidra-Sitzung. Beides sind tantrische Techniken, mit denen ich mich gut identifizieren kann. Das Leiten der Stunden fällt mir leicht trotz des großen Umfangs an Erläuterungen und Anleitungen, die für beide Arten der Meditation notwendig sind.

cof
Triveni Ghat in Rishikesh.

Unsere Exkursion für diese Woche besteht in einem Besuch im Bharat Milap Ashram in der eigentlichen Stadt Rishikesh. Dort wollen wir einen Satsang besuchen, einen philosophischen Vortrag eines Gelehrten und Weisen, in diesem Falle Swami Ram Kripalu. Auf dem Weg dorthin spazieren wir am Triveni Ghat in Rishikesh entlang, wo nicht viele Ausländer zu entdecken sind. Der Ort wirkt sehr indisch. Am Abend finden hier auch Aarti-Zeremonien statt. Nachdem wir den Ashram betreten, werden wir begrüßt und überreichen ein paar Süßigkeiten als Opfergabe und kurz darauf beginnt das Programm. Zunächst beginnen wir mit einer Art Kirtan, bei dem Swamiji ein paar Verse singt und das Publikum wiederholt diese Zeilen. Der zweite Teil besteht aus einer Vorlesung über die Natur des Selbst. Zum Schluss werden die Süßigkeiten an alle im Publikum verteilt. Swamiji ist ein alter weiser Mann, der jahrzehntelang nackt im Himalaya gelebt hat.

Immer noch in den Geist des Satsang eingehüllt kehren wir nach Tapovan zurück. Dort bereiten wir uns auf die schriftliche Abschlussprüfung vor. Mir fällt das nicht schwer. Ich habe schon so viele Prüfungen auf beiden Seiten des Prüfungstisches in meinem akademischen Leben überstanden. Abschließend führen wir noch eine Feuerzeremonie durch. Alle kleiden sich für die Zeremonie in heilige Farben – weiß, gelb oder orange. Mithilfe des vedischen Priesters wird die Feuerzeremonie durchgeführt und wir erhalten unsere Meditationslehrer-Zertifikate. Die vier Wochen gingen so schnell vorbei und nachdem ich mich an das yogische Leben, die Menschen in der Schule und den Stundenplan gewöhnt habe, fühlt es sich komisch an, ins normale Leben zurück zu kehren. Ich bin jedoch guter Dinge und habe viele Ideen, wie es weitergeht und was ich mit meiner Meditationspraxis anstelle.

received_10213800152770649
Zertifizierungszeremonie.

Fazit

Was habe ich gelernt? – Etwa 25 Meditation-Techniken vorwiegend aus der vedischen Tradition, ebenso buddhistische Meditationen und moderne Methoden wie Osho-Meditationen. Wir haben yogische Reinigungsübungen, Sitzhaltungen, Dehnübungen and Asanas zur Vorbereitung kennengelernt, und viel über richtiges Atmen (Pranayama) und die Kraft und die Bedeutung des Chantens gelernt. Und ein guter Teil des Kurses bestand auch aus Theorie und Philosophie der Meditation.

Wie ist Rishikesh als Ort für so einen Kurs? – Ich liebe Rishikesh. Es ist eine heilige Stadt, einer der Ursprungsorte der Meditation, zwischen den Hügeln und dem Ganges gelegen. Rishikesh ist voll mit Yoga- und Meditationsschulen, was der Atmosphäre zuträglich ist. Allerdings sind wir immer noch in Indien – das ist kein saftig grüner tropischer Ort mit kleinen perfekten Häuschen und Innenhöfen. Es sollte nicht erwartet werden, dass es hier wie in Bali aussieht. Im Winter kann es ausgesprochen frisch werden und in den Sommern sehr heiß.

Was ist das Meditationslehrer-Programm NICHT? – Es ist weder ein Retreat noch ein ayurvedisches Wellnessprogramm. Es werden dort zwar ayurvedische Behandlungen außerhalb des Meditationskurses angeboten, es gibt jedoch einen strengen Stundenplan. Der Tag beginnt früh am Morgen und hundertprozentige Anwesenheit wird erwartet. Manchmal wird das ganze Sitzen und Zuhören anstrengend, da muss man jedoch durch. Man sollte sich daran erinnern, dass dies immer noch ein traditioneller indischer Ort ist. Es gibt eine Kleiderordnung, bei der kurze Hosen oder Tank Tops tabu sind. Der Lehrer ist eine Autoritätsperson und wir sollten ihn nicht mit westlich geprägten Vergleichen belästigen oder alles in Frage stellen. Natürlich kann man innerlich seine eigenen Schlüsse ziehen und abwägen, welche Praktik wir später fortführen und welche uns nicht sinnvoll erscheint. Es ist jedoch wenig hilfreich, dies während des Lernens zu diskutieren. So ernst und streng wie das alles klingen mag, so ist die Schule aber auch kein Ashram. Sie befindet sich in einem gewöhnlichen Hotelgebäude. Wir müssen weder beten noch religiös sein. In unserer freien Zeit können wir tun, was wir wollen. Und es gibt keinen Guru, dem wir folgen müssen und der unseren Gehorsam erwartet.

Wie läuft das praktisch mit der Kursanmeldung und der Anreise? – Zunächst muss man sich für einen Kurs auf meditationschoolindia.org anmelden, sich für einen Monat entscheiden und eine Anzahlung leisten. Im nächsten Schritt müssen wir ein Visum besorgen. Die einfachste Option für die meisten ist hier das 60-Tage-E-Visum, das auf der Seite der indischen Regierung beantragt werden kann. Schließlich muss noch der Flug nach Delhi gebucht werden. Von dort aus bietet sich als erste Option ein Anschlussflug nach Dehra Dun an, von wo aus man per Prepaid-Taxi nach Rishikesh gelangt. Das ist die einfache Variante. Alternativ kann man auch nach Delhi reinfahren, den richtigen Busbahnhof ausfindig machen und per Bus nach Rishikesh fahren, was 6 bis 9 Stunden in Anspruch nehmen kann. Diese Variante ist dafür etwas preisgünstiger. Es sollte daran gedacht werden, viel Bargeld vorzugsweise in Form von US-Dollar oder Euro mitzubringen, um die Kursgebühren am ersten Tag entrichten zu können. An den Geldautomaten in Indien können nur kleine Summen auf einmal abgehoben werden (maximal 10.000 Rupees, entspricht 135 Euro) und in drei von vier Fällen funktioniert der Geldautomat überhaupt nicht. Ein Gerät wie ein Smartphone, ein Tablet, oder ein Laptop ist ebenfalls nützlich. Komfortable Kleidung wie lange Hosen, Hemden und Socken (im Winter) wird ebenso benötigt. In Rishikesh ist es zwar unproblematisch, sich mit Kleidung einzudecken, ein Anfangsbestand für die erste Kurswoche ist jedoch empfehlenswert.

Bin ich mit dem Programm zufrieden? – Definitiv. Insbesondere die Dozenten und die Atmosphäre haben für mich den Charme des Programms ausgemacht. Der Kurs und die Praktiken waren für mich und mein späteres Leben sehr hilfreich.

cof
Baumtempel am Triveni Ghat.

 

Advertisements

Becoming a Meditation Teacher.

received_10213800160250836
How do you imagine your typical meditation teacher?

Have you always wanted to learn meditation properly or even teach meditation to others? In this post I am going to tell about my personal experiences in attending the 300 hour Meditation Teacher Training program at Shree Mahesh Heritage School in Rishikesh, India.

I start with a description of my personal motivation, followed by an extensive reflection on the four weeks of the training in Rishikesh before drawing some conclusions.

Why would I decide for this program?

My journey towards meditation was a long one. For most parts of my life I considered meditation a boring esoteric or religious practice of doing nothing with no inherent value. I did not grow up in a spiritual environment and spent a lot of my professional years in academics dealing with science. I will not go into details, however just like many other humans I experienced a certain absolute low point in my life where I felt I could not go on like before. This was when I started practicing meditation, only with the help of books and Youtube videos, trying out several guided meditations. It may have been a rough start, yet I quickly discovered the secret to inner peace was not in more and better planning and thinking, but in calming the mind, learning to stop the thinking machine und to re-learn how I can just be.

I started in an unstructured way without the help of a teacher or guru, still over the years I made a lot of subjective progress. I felt I already understood the essence of meditation a lot better than many other people. Several books about Indian religions and philosophies also helped me dive deeper on an intellectual level. Doing a yoga course in a retreat in Cambodia I felt I was different from the other participants – they were experienced in doing the postures, but would not feel anything and had no idea what to do when we had meditation sessions. Unlike them meditation was powerful to me since I already knew where to go, but I struggled a lot with the postures. There and on other occasions I tried to explain others how I meditate, with more or less success. I felt maybe I should do this more professionally and I also wanted to improve my own meditation practice.

So I started looking for a meditation teacher course. I believed now that becoming a yoga teacher was increasingly popular, meditation teacher courses must also exist. And since I felt my flexibility and posture were way too bad to become a proper yoga teacher, I would more rather try a meditation-centered program. Actually I found some meditation courses online – in Germany or the US. However they appeared either “clinical” to me or were prohibitively expensive. Finally I discovered Shree Mahesh in Rishikesh. The curriculum sounded good and the prices were very reasonable for a four week course – not much more than normal traveling in India would cost for the same period as the course fee included accommodation and food. I felt going to India would bring me closer to the source of meditation. Additionally I thought it was good opportunity to travel afterwards too. Since I have not been to India for a long time, I was curious to see the changes. So I timed my stay in India for the period after I graduated in my psychology and counseling studies. I booked a flight to Delhi and further on to Dehra Dun, and I applied for my 60 day E-Visa.

received_10213800148410540
In the meditation hall.

Week 1: Everything is new

Arriving at the school everything is straightforward. The school is located in a rather unspectacular looking building in upper Tapovan in Rishikesh. I can check into my room which is nicer than the hotel room I had the night before when I arrived from Delhi. There is a balcony and a private bathroom with a shower. In the basement there is the meditation hall equipped with yoga mats and cushions, the ground floor has the kitchen and the reception, the accommodation is located in the first floor and on top we find a nice roof terrace with some garden plants.

I get to know the other participants from different parts of the world. Many are already yoga teachers or have a background in coaching or mental health therapy. We have dinner together and of course we are going to share all our meals together. The food is excellent. It is North Indian vegetarian Ayurveda-friendly food. I am always looking forward to the meals. The morning of the first day we begin the program with a traditional Vedic fire ceremony which is guided by a Vedic priest. I feel blessed.

There is a certain structure in the daily schedule which keeps repeating. We get up early in the morning and the first thing we do are some yogic cleansing practices. We drink water from a copper vessel to hydrate the body and perform several techniques to clean the nose. In the beginning it appears strange and I take a while to get used to the practice, but actually the irrigation of the nose is one of the practices I will later adopt in my daily life.

Next we gather in the meditation hall for our asana and pranayama sessions. This is a 90 minute breathing and gym program to become active and get the day started. Actually this part of the day is the hardest for me as I do not like mornings much and physical exercises and yoga postures are the things I struggle with, yet these are exactly the reasons why I probably benefit from this session a lot. We learn a lot of breathing techniques or pranayama for different purposes – energizing, balancing, calming. Considering I did not sign up for a yoga training, we actually do a lot of stretching exercises and yoga postures – which is tough for me, but later I will also make several rounds of sun salutations part of my daily routine.

After breakfast the mid-morning slot is taken by the chanting session. I was not aware chanting would play such a role in this training. Yet I remain curious. We do a lot of Om-s and learn to chant mantras and traditional vedic prayers. Some participants struggle with singing, others with the Sanskrit pronunciation.

received_10213784956230745
Meditating in lying position.

There are two full meditation sessions each day. One before lunch, another in the afternoon. Some of the first techniques is Trataka, a meditation for cleansing the eyes by continuous staring at candles or sacred pictures called Yantra. Another one is Nada Yoga, listening to and meditating on the inner sound. One of the methods that I really like is Yognidra, the yogic sleep, a deep relaxation meditation. It has also the benefit of lying down most of the time. I am not used to sitting on the floor for extensive periods of time and despite changing my position every few minutes my legs and back hurt.

In the evening there is also a philosophy and theory class. We learn a lot of the background from the scriptures. Practicing the correct Sanskrit terminology also plays a large part. Actually this part comes very easy to me. Others struggle more with theory than with practice.

The days are long and intense. However there is an extensive break after lunch for two to three hours which we mainly use in the first week to walk down to the Laxman Jhula area and have a chai or a coffee in a bakery or a cafe. The craving for coffee is strong since we do not get one at the school.

cof
Aarti ceremoy at the banks of the Ganges.

As always in new situations, the first days pass slowly while the perceived speed accelerates each day. On Saturday evening, we have our first excursion. We are taken to the other suspension bridge in Rishikesh called Ram Jhula and visit a few ashrams in the vicinity. In the afternoon up to sunset we attend the Aarti at the Ganges river. Aarti is a ritual which involves a ceremony, singing and finally setting your offerings into the river – a little miniboat which is lighted. The whole evening is wonderful and I can feel the spiritual atmosphere everywhere.

Sunday is the students’ day off. I use the opportunity to walk down to the areas where I have been in 2003 and see what they look like. I also do some shopping for shirts, pants, and spiritual paraphernalia like incense sticks, Tibetan singing bowls, and cloths with Chakra symbols.

mde
Lighting and putting an offering onto the Ganges river.

Week 2: Getting used to the Yogic life style

Our second week starts with less students. Some of our group only booked a short version of the course from the beginning, others shortened it as they did not feel it met their expectations. I feel strongly determined to finish the course. The thing that is most challenging are the temperatures – it is actually really cold at night in Rishikesh in January. Despite all the blankets and even the small electric heating device it feels freezing in the mornings and the evenings. I know it is colder in Europe outside now, but inside homes it is warm and cozy over there.

Us remaining participants are now used to the daily schedule and it feels like a routine. Being a smaller group also has its benefits. We grow closer and actually have a lot of fun together with many opportunities for laughing.

received_10213672625062536
Chanting by the banks of the Ganges river.

I really start to enjoy the chanting sessions. We learn new prayers and mantras. Our teacher is chanting, we all are chanting, each of us is chanting alone, we clap our hands, we use instruments, we sing along to the music from CDs or Youtube, we sing and dance. I never thought I am a good singer and so I never thought I would enjoy it. This is changing now. It is a form of Bhakti Yoga – the Yoga of devotion. Just being in the sound, not thinking, but singing. With all my heart and without judgement. I love getting lost in the chants. And those mantras have meanings which we also analyze.

I am also getting more comfortable with the sitting and my breathing patterns improve as well. The whole course is based primarily on Hatha Yoga where everything starts with the cleansing, the posture, then breathing, locks and gestures before being able to meditate properly. We have more self-practice sessions and less free time, so I don’t always go down to town in the afternoon break. In the philosophy class we also cover Raja Yoga where social and mental discipline is a more important prerequisite for self-realization than physical exercises. We also get a crash course in Ayurveda which is a fascinating subject in itself. However to really practice Ayurvedic medicine, you need to study for many years.

cof
Leading the Chakra Meditation.

Of course there are a lot of new meditation techniques like Chakra meditation, breathing meditation, pulse meditation and the more active meditations by Osho that involve a lot of movement like shaking, dancing, jumping, shouting. The latter is not for everybody however for people who don’t like to sit and are more physically oriented these meditations are a really good thing. I begin to notice the effects of the continued meditation. I get distracted less and no matter what kind of meditation we are trying, it all feels pretty intense.

Our week ends with a visit a the Vashishta meditation cave, located an hour away up the Ganges. The cave is much smaller than I expected. Meditating inside is an experience on its own although I have to say it is challenging as space is limited and people are always rushing in and out to touch the lingam inside. We also visit another cave and chant some mantras with our teachers on the banks of the river.

sdr
Entrance to the Vashishta Guha meditation cave.

Week 3: The challenge

This week we start with a special challenge. Part of our program is a silent period in the tradition of the Buddhist Vipassana meditation. Of course we cannot do a full 10-day silent retreat while in this program, but we try it for 24 hours. Similar rules apply. No communication neither with others in Rishikesh nor using your laptop or phone. We keep on meditating in 75 to 90 minute sessions only interrupted by meals or a tea break. Although we are free to choose our sitting position, I find out every position becomes uncomfortable after a while. My legs and my back are in pain. The worst thing is I cannot complain to anyone about it and have to deal with it all by myself. I notice a lot of anger and unpleasant feelings which I did not expect. Well, this is part of the experience. After the Vipassana period is finished, I feel relieved. The other participants are now eager to try a longer Vipassana retreat later, but I have to say I had enough for now. The only rewarding thing is the sitting being over as during the meditation it felt like torture. I could as well be writing another PhD thesis with a sadistic supervisor or sign up for a military bootcamp.

One day later I feel a lot better. The world looks bright and my perception is much better and feels more colorful. I am totally calm and relaxed. Now I begin to feel the delayed positive effects of the Vipassana meditation. I wonder how long the effect will last and I wonder how long it will last after even ten days of silence. Maybe I change my mind and later in life I am going to try it.

For the rest of the week we return to our usual schedule. In this week we are about to deliver our first assignment for the certificate which means we have to give a presentation about a biography of a saint or holy person. Instinctively in decide for Ramana Maharshi who is known for his works in Advaita Vedanta about questioning the self based on asking “Who am I?”. In our theory and philosophy classes we also deal with aspects of Jnana Yoga, the Yoga of knowledge, with intellectual pursuits and a deep inquiry about the nature of the self. These things comes naturally to me. I have read a lot about Advaita Vedanta and Jnana Yoga already.

And we also have another session of the Yoga type that comes least natural to me: Laughter Yoga. There is a lot of fake laughter involved, and ritualized gestures and moves. It feels cringeworthy and I feel uncomfortable. To me laughter and humor are by definition spontaneous things and cannot be forced. I do not want to sound too negative though, since I also learn about the benefits and merits of Laughter Yoga. It can be extremely helpful and relieving for people with traumata or health issues. If your life is defined by pain, sickness, and hospitals, an organized laughter session with a humorous access to your illness offers you a different perspective and can be one of the few happy moments in these circumstances.

We also get an introduction to Vedic astrology. Even though I am a bit of a sceptic when it comes to things like astrology, I enjoy the lecture and think it is a fascinating subject which has its merits.

cof
Kunjapuri Temple at sunset.

Our end-of-the-week excursion leads us to Kunjapuri Temple. This holy site is one of the Shakti Peeth where according to Hindu mythology pieces of Shiva’s burning female consort fell down to earth. It is usually an hour away in the mountains, we need two hours due to road construction works. The temple is located on top of the mountain and from there we have a distant view to the real Himalayan snow-covered peaks. We get in with a little donation and receive offerings. Usually people come here for sunrise. Our schedule permits only a sunset meditation which is not a bad thing. I really appreciate the calmness and we have a wonderful evening meditation here.

My free Sunday is not so much filled with shopping or tourist activities. I want to prepare for my meditation sessions I am about to deliver in the last week as part of the certification. We need to buy some cardboards and pencils for creating a chart which help presenting the subject. Sunday is not a particularly good day for buying these things in Tapovan as some shops are closed, yet after searching we locate another stationary shop and can buy all these items.

cof
Workers at the parking lot of Kunjapuri Temple.

Week 4: The exams

The last week is all about showing what we have learned and delivering our own sessions. Each of us leads four sessions in total. One asana and pranayama session, one chanting session, and two meditation sessions. For the meditations we can choose one method for the final “exam”, and another meditation technique is more or less given to us from the school. I am a bit excited, not too much, and spend most of my free time preparing my sessions in this week. Still I really like that we can practice a lot.

Some methods are easier for some people than others. I think the chanting will be very easy for me. Therefore I put more effort in the asana session. I feel like all the other participants and the teachers are fitter and more flexible than I am, and if I instruct them and show what to do, I am going to be more out of breath than everybody else. Actually my worries are unjustified. Both sessions work out very well and everybody is happy. Same with the meditation sessions. I lead the Chakra and the Yognidra session – both are Tantric techniques which speak to me a lot and leading the session comes easy to me despite the amount of guiding and narrating which are necessary for both types of meditation.

cof
Triveni Ghat in Rishikesh.

Our excursion activity for this week is a visit to the Bharat Milap Ashram in Rishikesh proper town to attend a Satsang, a philosophical talk given by a saint, in this case Swami Ram Kripalu. Going there we take a stroll at the Triveni Ghat in Rishikesh which is not frequented much by foreigners, but has a distinct local flair. In the evenings, Aarti ceremonies take place as well. After entering the ashram, we are greeted, give our sweets as an offering and soon the program starts. First we are doing some kirtan in the way that Swamiji chants some verses and the audience repeats it. The second part is a philosophical lecture about the nature of the self. In the end the sweets are distributed to everybody in the group. Swamiji is an old wise man who has been living naked in the Himalayas for decades.

Still in the spirit of the Satsang we return to Tapovan and prepare for the final exam which is a written exam. This is not a difficult one for me, I have had so many exams in my academic life on both sides of the table. Finally we have another fire ceremony. Everybody dresses up for this certification ceremony in holy colors of white, yellow, or orange. With the help of the Vedic priest the fire ceremony is performed and we receive our Meditation Teacher Certificates. The four weeks passed so quickly and after getting used to the Yogic life, the people at school and the schedule, it feels a bit strange to return back to normal life. I am in a good spirit and have a lot of ideas how to continue and what to do with my practice.

received_10213800152770649
Certification ceremony.

Conclusion

What did I learn? – About 25 meditation techniques mostly from the Vedic tradition, also Buddhist meditations and modern methods like Osho meditations. We learned about Yogic cleansing techniques, sitting positions, stretching and asanas for preparation, a lot about proper breathing (pranayama) and the power and importance of chanting. And there was also a good part of theory and philosophy of meditation.

What is Rishikesh like as a place for this course? – I love Rishikesh. It is a holy place, one of the origin places of meditation, seated between the hills and the Ganges river. Rishikesh is full of Yoga and meditation schools which adds to the atmosphere. However it is still India – it is no tropical lush retreat place with perfectly clean little houses and courts. Don’t expect Rishikesh to be like Bali. In winter it can be very chilly, and in summers very hot.

What is the Meditation Teacher Program NOT? – It is neither a retreat nor an Ayurvedic wellness program. While Ayurvedic treatments are offered in the same place outside the course, there is a strict schedule starting early in the morning with one hundred percent attendence expected. Sometimes all the sitting and listening can be uncomfortable, that is something you have to go through. We have to remember this is a somehow traditional Indian place – we do not wear shorts or tank tops, and we listen to the teacher and do not interrupt with Western comparisons or constant questioning everything. Of course we can draw our own conclusions in our mind and see what practice we will follow later and which makes no sense to us, but this is not to be discussed while learning. As strict as this sounds, the school is no ashram. It is located in a normal hotel building. We do not need to be religious or to pray. In our free time we can do whatever we want to. And there is no guru we need to follow.

What are the practicalities for this course? – First you need to sign up for the course at meditationschoolindia.org, decide for a month and pay a deposit. The next step is to get a visa, the easiest option for many people is the 60 day E-Visa which can be applied for at the site of the Indian government. Finally you need to book a flight to Delhi. From there you can either choose a connection flight to Dehra Dun and take a prepaid taxi from that airport to Rishikesh. This is the easy option. Or you have to get into Delhi, locate the bus station, and take a bus to Rishikesh which can take 6 up to 9 hours. This one is a little cheaper. Be aware to bring a lot of cash preferably in US Dollar or Euro to pay your course fees on the first day. ATMs in India only dispense small amounts of money like 10,000 Rupees at a time and in three out of four cases the ATM will not work at all. A device like a smartphone, tablet, or laptop is also very useful. You will also need comfortable clothes like long pants, shirts and socks (in winter). In Rishikesh it is no problem to buy a lot of clothing, however for the first week it is useful to be prepared.

Am I satisfied with the program? – Definitely. I really appreciated the teachers and the atmosphere. The practice was very helpful to me now and for my later life.

cof
Tree temple in Triveni Ghat area.

 

Colombia’s got talent. Kolumbien sucht den Superstar. Colombia tiene talento.

From Bogotá we fly to Santa Marta at the Caribbean coast of Colombia. Bogotá was rather chilly due to the altitude. Santa Marta feels like summer. 31 degrees celcius. Our accommodation place is kind of weird. There is no sign outside indicating this is a hotel, but we decide to ring the bell, hoping we would not cause trouble and wake up some innocent neighbours. It works out well however.

The interior of the place is a mixture between a cool boutique hostel and how I imagine the living room of Imelda Marcos: weird low old-school chairs and old clocks which do not only show the wrong time but make a loud noise every hour, at 15.17, 16.17, 17.17 and so on. I hated these things as a kid when we visited older people’s homes and I still hate it now. We are greeted by a young lad who tries to play cool. There are so many awkward and odd situations in this hostel. He plays uber-relaxed while we just want to pay our room, get the wifi key and prefer to be left alone.

Our conversations are like this: In the morning I sit down on one of the weird low chairs in the kitchen. He does not react. I look a bit around and wait. “Oh, you want breakfast?!”. Yes, I do. That’s why I’m here. I’m only thinking the last part. It takes quite a while until he manages to find everything in the kitchen and prepare something. He brings some eggs. I say “Gracias”, he replies “Good morning”. In the afternoons or while I take a shower in the common bathroom, I can hear him and the other staff boys singing loudly with passion in high soprano to Beyonce songs, missing every single note. Colombia’s got talent.

img_6354The city of Santa Marta is not that big. Nevertheless the heat, the Caribbean noises, and life on the streets are overwhelming at first compared to Bogotá, but we get used to it quickly. Actually it is quite nice here. A charming pedestrian zone, small parks, cafés, restaurants, a few historical buildings and churches.

And there is even a beach directly attached to the city center. It does not look too bad. Many tourists stay in ugly appartment and condominium high-rise suburbs for the beach, so I am quite happy we don’t have to go to these wealthy tourist ghettos to take a dip in the sea. When we decide to sunbathe and swim there, we experience some local flavor. It is never really quiet. A bunch of teenagers is playing football, the “real” European/South American football, right at the place where we just want to relax. Yet I approve their play as they always manage to never hit any of the people not involved – in stark contrast to playing kids in Germany at the beach where every once in a while the ball bumps into the heads of tranquil sunbathers lying innocently on their blankets. Colombia’s really got talent.

In the evening we watch an impressive Hare Krishna procession. A quite large group of young guys and women move through the streets in Indian clothing making a lot of noise. The mix of Indian dances and Latin passion is intriguing. Their moves involve so much energy and joy. I’ve never seen it like this before. Yoga and Indian spirituality seems to be quite a thing here in Santa Marta. The next day we find a lovely vegan Indian-style food place where Yoga sessions are also offered. I really enjoy Santa Marta.

img_6345

Von Bogotá fliegen wir weiter nach Santa Marta an die Karibikküste. Im Hochland von Bogotá war es eher kühl. Santa Marta fühlt sich hingegen wie Sommer an. 31 Grad. Unsere Unterkunft ist ziemlich schräg. Draußen hängt gar kein Schild, dass es sich um ein Hotel handelt. Wir klingeln trotzdem und hoffen, dass wir nicht irgendwelche ahnungslosen Nachbarn belästigen. Es funktioniert.

Drinnen wirkt es wie ein Mix aus einem schicken Boutique-Hostel und so, wie ich mir das Wohnzimmer von Imelda Marcos vorstelle: komische altbackene Sessel und Standuhren, die nicht nur falsch gehen, sondern jede Stunde einen lauten Gong abgeben, um 15.17, 16.17, 17.17 Uhr und so weiter. Diese unheimlichen Dinger habe ich schon als Kind gehasst, wenn wir bei älteren Leuten zu Besuch waren. Und ich hasse sie noch immer. Wir werden von einem jungen Typen begrüßt, der sich übermäßig cool und lässig gibt. Mit ihm und dem Hostel erleben wir schon ziemlich komische Situationen. Er macht einen auf überentspannten Macker. Wir wollen hingegen nur unser Zimmer bezahlen, das Passwort fürs Internet und ansonsten unsere Ruhe haben.

Unsere Begegnungen sind meistens so: Am Morgen setze ich mich auf einen dieser Oma-Stühle in der Küche. Er reagiert auf nichts. Ich schaue mich gelangweilt um und warte auf eine Reaktion. Oh, ich will Frühstück?! Ja, natürlich, genau deswegen sitze ich hier rum. Er braucht eine ganze Weile, um sich in der Küche zurecht zu finden und etwas zuzubereiten. Er bringt die Rühreier. Ich bedanke mich mit “Gracias”, worauf er mit “Good morning” antwortet. So seltsam verlaufen irgendwie alle unsere Gespräche. Nachmittags oder während ich im Gemeinschaftsbad dusche, kann ich ihn und die anderen angestellten Jungs leidenschaftlich in Sopranstimme zu Beyonce-Liedern singen hören. Keiner trifft irgend einen Ton richtig. Kolumbien sucht den Superstar.

Santa Marta ist keine wirklich große Stadt. Trotzdem sind die Hitze, die karibische Geräuschkulisse und das Straßenleben anfänglich überwältigend im Vergleich zu Bogotá. Aber wir gewöhnen uns schnell daran. In der Tat ist es recht nett hier. Eine hübsche Fußgängerzone, kleine Parks, Cafés, Restaurants, einige historische Gebäude und Kirchen.

Es gibt sogar einen Stadtstrand. Der sieht gar nicht mal so übel aus. Viele Badetouristen bleiben lieber in wohlhabenden Vororten mit scheußlichen Bettenburgen, daher bin ich ganz froh, dass wir dort nicht hinmüssen, um mal ins Wasser zu gehen. Wir bleiben eine Weile zum Sonnen und Baden. Dabei gibt es etwas Lokalkolorit zu bestaunen. Und wirklich ruhig ist es natürlich nicht. Ein paar Jugendliche spielen Fußball, genau an der Stelle, die wir uns zum Entspannen ausgesucht haben. Aber ich muss anerkennend zugeben, dass ihr Ball und ihre Füße uns nicht erwischen und sie elegant ihr Spiel beherrschen. Im krassen Gegensatz zu spielenden Kindern in Deutschland, bei denen man sich sicher sein kann, beim Sonnenbaden immer mal wieder von einem Ball getroffen zu werden. Kolumbien sucht nicht nur Superstars, sondern hat auch Supertalente.

Am Abend bestaunen wir eine Hare-Krishna-Prozession. Eine recht große Gruppe junger Typen und Frauen jeden Alters bewegt sich in indischem Fummel durch die Straßen und macht eine Menge Lärm. Der Mix aus indischen Tänzen und lateinamerikanischer Leidenschaft ist faszinierend. Sie bewegen sich mit soviel Energie und Freude. Das habe ich so noch nie gesehen. Yoga und Hindu-Spiritualität scheinen hier angesagt zu sein. Denn am nächsten Tag finden wir auch gleich ein wunderbares veganes Restaurant mit indisch angehauchten Essen, wo auch Yoga angeboten wird. Santa Marta macht Freude.